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p.s. auch in dieser »Ansicht« sind die Textblöcke und Bilder mit Links zu ergänzenden Inhalten unterlegt. Ein Klick verbindet Dich.

Lieber Rolf Holunder!
Heute konnte ich schon ganz allein unsere Mailbox öffnen und ich muss sagen, dass mir unser Kennwort wirklich gut gefällt. Meine Öhrchen wedeln jedesmal vor Stolz.Die schicken Fotos von Dir auf dem Gipfel über Kamares und vor der Höhle haben mich ein bisschen neidisch gemacht – du hast ja wirklich tolle Sachen erlebt! Es sieht sehr beeindruckend aus und ich werde mir die Bilder bestimmt noch oft ansehen und mit großer Freundschaft an Dich denken.
Deinen Schock am Baseler Flughafen kann ich mir gut vorstellen: Da schläft man gemütlich und sicher in khnemos Rucksack und auf einmal ist man so öffentlich in der Hand eines Sicherheitsbeamten. War er denn wenigstens nett zu Dir? Aber falls Dich irgend jemand blöde angeguckt hätte, hättest Du ihm einfach von deinen Computer-Kenntnissen erzählen können und er wäre erblasst vor Erfurcht, glaube mir! Das ist ja wirklich beeindruckend, was Du da inzwischen kannst! Kein Wunder, dass Du Deine Höhlen im Wald vernachlässigt hast, aber vergiss sie nicht ganz –wer weiß, wozu sie dir noch nütze sind!
Oh, – Hier fängt nun gerade ein Gewitter an und Ma sagt, dass wir den Computer besser ausschalten sollen.
Deshalb, für heute einen herzlichen Ohrenwedler für Dich und khnemo von Eurer Flippi Apfelblüte
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Da hat mir Flippi Apfelblüte doch gleich geantwortet:
Lieber Rolf Holunder,
jetzt bin ich aber mächtig stolz: Sicherlich bin ich der erste Hase, der ein eigenes Postfach hat! Du bist echt klasse!
Ich habe mir Deine Anleitung genau aufgeschrieben und mir hinter die Ohren geklemmt. Klingt nicht wirklich schwer, sondern eher hasenleicht.
Da Ma jetzt zur Schule muss, wird das hier nur eine kurze Expressantwort, die Möglichkeit habe ich hier gleich auf der Seite gefunden. Ma hat mir aber versprochen, dass sie am Wochenende Zeit hat, mir beim Tippen einer richtigen Mail in unserem schicken Postfach zu helfen.
Bis dahin ganz herzliche Grüße und viele Ohrenwedler von deiner Flippi Apfelblüte
Ach Flippi, das Eingewöhnen in Berlin, nach der Rückkehr von Kreta, fiel mir ein wenig schwer. Meine Höhlen im Wald habe ich alle staubtrocken vorgefunden, so dass ich andauernd furchtbar niesen musste, und einige Tage später kam der große Regen und alles ist mir voll Wasser gelaufen. Wie soll das nur weitergehen? Glücklicherweise haben mich Jo und khnemo noch mit auf eine Paddeltour genommen, doch abends entwickelte sich bei einem plötzlich hereinbrechenden Nord-Ost-Wind so ein starker Wellengang auf dem Breiten Luzin, dass ich erstens richtig nass wurde und wir zweitens alle auf dem Campingplatz notlanden mussten. Jo hat dann mit ihrer unvergleichlichen wissenschaftlichen Akribie das ganze Faltboot auseinandergenommen und alle Einzelteile vorsortiert, während khnemo das Auto holte.
Für all diese Mühe gab’s anschließend Wildschweinbraten.
Die Heimfahrt war dann wunderschön, -so mit Musik aus dem iPod durch die von alten Bäumen gesäumten Alleen! Mich erinnerte das wieder sehr an unsere früheren Touren.
Nun habe ich es übrigens geschafft, liebe Flippi, – Unser Fotoalbum enthält jetzt die ersten Bilder. Du kannst es Dir in unserem Postfach jederzeit angucken. Deiner Ma und unserer großen Schwester habe ich aber eine extra Einladung zum Angucken geschickt. Das Passwort kennst Du ja schon.
Nun habe ich Dir ziemlich viel von meinem nicht ganz artgerechten Maulwurfsleben und meinem Kumpel khnemo geschrieben. Dass es Dir so gut geht, freut mich richtig. Also wedle fleißig mit Deinen Öhrchen und grüße mir alle Hasen auf den Feldern und Wiesen von Dahlem, – oder sind es doch Kaninchen?

Was musst Du also tun: Du gehst ins Internet, (das kannst Du nun fast mit jedem Computer) rufst die Adresse http://www.web.de auf und klickst auf »freemail«. Dann gibst Du unsere Mail-Anschrift ein und dann noch das Kennwort. Schon geht unser Postfach auf und Du kannst nachsehen, ob ich Dir geschrieben habe.
Links im Fenster klickst Du auf das Adressbuch. Dann siehst Du die eingetragenen Namen. Mach ein Häkchen z.B. vor meinem Namen und klicke unten bei »Aktionen« auf »E-mail senden«. Schon kannst Du lostippen. Wenn Du dann fertig geschrieben hast, musst Du nur noch links oben »senden« anklicken. Das ist alles – und Dein Rolf Holunder bekommt Post von Dir.
Ganz links findest Du auch das »Fotoalbum«. Dort entdeckst Du dann Bilder von meinen Abenteuern auf Kreta oder die von unserer großen Reise mit der Nautilus.
WOW, – jetzt habe ich aber viel geschrieben und bin nun sehr gespannt, wann eine Antwort von Dir kommt.
Ich wünsche Dir viele, viele Ohrenwedler – Dein Rolf-Holunder

So ungefähr zwanzig Jahre mag es her sein, als ich mit einem Freund einmal das Zusammenleben mit einem Kuscheltier diskutierte. Wir waren damals so um die Vierzig und noch ganz ernsthaft und eifrig dabei, die Beziehungen zu unseren Partnerinnen pflegen, gestalten – auch genießen zu wollen, entdeckten Humor und Imagination – und eben auch »Pu den Bären«. Die Übersetzung von Harry Rowohlt ist schlicht umwerfend, ebenso sein Vorlesen und wenn Dir jemand im Zug gegenübersitzt, eigentlich schon erwachsen, doch ebenfalls die allgegenwärtigen Hörer im Ohr, weiß verkabelt und den iPod im Schoß, still vor sich hin kichernd, dann darfst Du durchaus vermuten, dass er gerade Pu dem Bären zuhört, oder dem Frkl oder gar der ganzen Geschichte, wie IAah seinen Geburtstag erlebt…
H. erzählte mir damals von einem mit ihm befreundeten Paar, das zuweilen, in Krisensituationen und dann wohl beim Frühstück, einer Puppe als einer Dritten im Bunde gegenübersitzt. Ja, und diese Puppe redet, diskutiert, überlegt nun alles mit, ergreift Partei, ist aber auch fair in der Auseinandersetzung und häufig unendlich komisch. Natürlich klärt sie so manche Missverständnisse auf, übersetzt dem einen oder anderen geduldig die Meinung des Partners mit liebevollen Worten, – man unterbricht ihre Sätze ungern…
Noch Fragen?..
Also lebe ich mit Rolf Holunder zusammen.
Und das Schönste ist, er hat auch »Pu der Bär« gelesen und verschwindet immer wieder einmal im Einhundertsechzig-Morgen-Wald… So sind wir uns über Beobachtungen und Einschätzungen der Welt um uns herum grundsätzlich einig.
Imagination.
Es folgt ein Einschub:
»Neulich wurde von mir die inzwischen verbreitete Tätigkeit verlangt, auf dem Flughafen bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe auszuziehen. Als ich meine Schuhe in dieser Schale hinterlegte, durchzuckte mich eine Ahnung äußerster Absurdität. Ich muss die Schuhe ausziehen und röntgen lassen, weil irgendein Typ versucht hat, eine Linienmaschine mit seinen Turnschuhen in die Luft zu sprengen. Und ich dachte: Ich komme mir vor wie in einer Welt, die sich nicht einmal Kurt Vonnegut hätte ausdenken können. (…) (Wenn jemand Explosivhosen erfindet, sitzen wir nämlich wirklich in der Tinte.)«
(aus »Mann ohne Land« von Kurt Vonnegut, übersetzt von Harry Rowohlt)
Vor gar nicht so langer Zeit fiel mir ein Zeitungsartikel in die Hände, in dem in sehr launiger Art und Weise davon berichtet wurde, dass es wohl doch etliche erwachsene Menschen um uns herum gäbe, die mit ihrem Kuscheltier im Gepäck verreisen. Beziehe ich nun diese Information auf die zunehmenden Sicherheitskontrollen auf jedem Flugplatz, die etliche Autoren inzwischen in eine Zukunft hochrechnen, in der wir wohl bald alle nackt fliegen müssen, so vermute ich, dass nun offensichtlich so mancher, sehr seriös wirkende Zeitgenosse ganz öffentlich als Kuscheltierliebhaber in Erscheinung treten muss. Pu der Bär würde dies symphatisch finden und ein »Gesumm« anstimmen, während Asterix wohl ausrufen würde: »Die spinnen, die Europäer!« Ich sehe das gelassen, denn nun mal im Ernst, würdest Du an meiner Stelle »Rolf Holunder« in den Koffer legen bzw. im Reisegepäck »aufgeben«. Nein, natürlich nicht! Er wird nicht aufgegeben und kuschelt sich in meinem Hand-Gepäck-Rucksack neben die Kamera. Es ist ein wenig hart, doch schön dunkel und das liebt er.
Rolf Holunder ist ein Maulwurf.
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