Getaggte Beiträge ‘Geschichten’

Sharmanka Theatre …
April 18, 2008
wanted! – moonshinegang
Januar 13, 2008So ungefähr zwanzig Jahre mag es her sein, als ich mit einem Freund einmal das Zusammenleben mit einem Kuscheltier diskutierte. Wir waren damals so um die Vierzig und noch ganz ernsthaft und eifrig dabei, die Beziehungen zu unseren Partnerinnen pflegen, gestalten - auch genießen zu wollen, entdeckten Humor und Imagination – und eben auch »Pu den Bären«. Die Übersetzung von Harry Rowohlt ist schlicht umwerfend, ebenso sein Vorlesen und wenn Dir jemand im Zug gegenübersitzt, eigentlich schon erwachsen, doch ebenfalls die allgegenwärtigen Hörer im Ohr, weiß verkabelt und den iPod im Schoß, still vor sich hin kichernd, dann darfst Du durchaus vermuten, dass er gerade Pu dem Bären zuhört, oder dem Frkl oder gar der ganzen Geschichte, wie IAah seinen Geburtstag erlebt…
H. erzählte mir damals von einem mit ihm befreundeten Paar, das zuweilen, in Krisensituationen und dann wohl beim Frühstück, einer Puppe als einer Dritten im Bunde gegenübersitzt. Ja, und diese Puppe redet, diskutiert, überlegt nun alles mit, ergreift Partei, ist aber auch fair in der Auseinandersetzung und häufig unendlich komisch. Natürlich klärt sie so manche Missverständnisse auf, übersetzt dem einen oder anderen geduldig die Meinung des Partners mit liebevollen Worten, - man unterbricht ihre Sätze ungern…
Noch Fragen?..
Also lebe ich mit Rolf Holunder zusammen.
Und das Schönste ist, er hat auch »Pu der Bär« gelesen und verschwindet immer wieder einmal im Einhundertsechzig-Morgen-Wald… So sind wir uns über Beobachtungen und Einschätzungen der Welt um uns herum grundsätzlich einig.
Imagination.
Es folgt ein Einschub:
»Neulich wurde von mir die inzwischen verbreitete Tätigkeit verlangt, auf dem Flughafen bei der Sicherheitskontrolle die Schuhe auszuziehen. Als ich meine Schuhe in dieser Schale hinterlegte, durchzuckte mich eine Ahnung äußerster Absurdität. Ich muss die Schuhe ausziehen und röntgen lassen, weil irgendein Typ versucht hat, eine Linienmaschine mit seinen Turnschuhen in die Luft zu sprengen. Und ich dachte: Ich komme mir vor wie in einer Welt, die sich nicht einmal Kurt Vonnegut hätte ausdenken können. (…) (Wenn jemand Explosivhosen erfindet, sitzen wir nämlich wirklich in der Tinte.)«
(aus »Mann ohne Land« von Kurt Vonnegut, übersetzt von Harry Rowohlt)
Vor gar nicht so langer Zeit fiel mir ein Zeitungsartikel in die Hände, in dem in sehr launiger Art und Weise davon berichtet wurde, dass es wohl doch etliche erwachsene Menschen um uns herum gäbe, die mit ihrem Kuscheltier im Gepäck verreisen. Beziehe ich nun diese Information auf die zunehmenden Sicherheitskontrollen auf jedem Flugplatz, die etliche Autoren inzwischen in eine Zukunft hochrechnen, in der wir wohl bald alle nackt fliegen müssen, so vermute ich, dass nun offensichtlich so mancher, sehr seriös wirkende Zeitgenosse ganz öffentlich als Kuscheltierliebhaber in Erscheinung treten muss. Pu der Bär würde dies symphatisch finden und ein »Gesumm« anstimmen, während Asterix wohl ausrufen würde: »Die spinnen, die Europäer!« Ich sehe das gelassen, denn nun mal im Ernst, würdest Du an meiner Stelle »Rolf Holunder« in den Koffer legen bzw. im Reisegepäck »aufgeben«. Nein, natürlich nicht! Er wird nicht aufgegeben und kuschelt sich in meinem Hand-Gepäck-Rucksack neben die Kamera. Es ist ein wenig hart, doch schön dunkel und das liebt er.
Rolf Holunder ist ein Maulwurf.
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