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Aus meinen Briefen… 3

1. Februar 2008

Lieber Rolf Holunder!
Heute konnte ich schon ganz allein unsere Mailbox öffnen und ich muss sagen, dass mir unser Kennwort wirklich gut gefällt. Meine Öhrchen wedeln jedesmal vor Stolz.

Die schicken Fotos von Dir auf dem Gipfel über Kamares und vor der Höhle haben mich ein bisschen neidisch gemacht – du hast ja wirklich tolle Sachen erlebt! Es sieht sehr beeindruckend aus und ich werde mir die Bilder bestimmt noch oft ansehen und mit großer Freundschaft an Dich denken.

Deinen Schock am Baseler Flughafen kann ich mir gut vorstellen: Da schläft man gemütlich und sicher in khnemos Rucksack und auf einmal ist man so öffentlich in der Hand eines Sicherheitsbeamten. War er denn wenigstens nett zu Dir? Aber falls Dich irgend jemand blöde angeguckt hätte, hättest Du ihm einfach von deinen Computer-Kenntnissen erzählen können und er wäre erblasst vor Erfurcht, glaube mir! Das ist ja wirklich beeindruckend, was Du da inzwischen kannst! Kein Wunder, dass Du Deine Höhlen im Wald vernachlässigt hast, aber vergiss sie nicht ganz –wer weiß, wozu sie dir noch nütze sind!

Oh, – Hier fängt nun gerade ein Gewitter an und Ma sagt, dass wir den Computer besser ausschalten sollen.
Deshalb, für heute einen herzlichen Ohrenwedler für Dich und khnemo von Eurer Flippi Apfelblüte

18. Mai 2007
Liebe Flippi Apfelblüte!
Nun kann ich Dir immer ganz unabhängig von khnemo schreiben.
Ja, Du siehst es auf den Bildern – Es war auf Kreta sehr steinig, sehr mühsam und auch oft recht gefährlich für mich in all dem Geröll. Maulwürfe haben es, so glaube ich, dort sehr schwer und getroffen habe ich keinen einzigen. Dass Du auf Eurer letzten Winterreise so nette Schneehasenfreunde gefunden hast, die Dich auch noch getragen haben, darum beneide ich Dich. Doch ganz tolle Erlebnisse hatte ich wirklich.
Das Allerschönste und Spannendste für mich war natürlich die große Bergbesteigung zusammen mit khnemo, zumal es noch an der Höhle von Kamares vorbei ging, und da war ich ja nicht mehr zu halten und völlig in meinem Element. Ein wenig mulmig war mir nur, dass im Frühling in dieser Höhle offensichtlich etliche Dohlen, Krähen oder ähnliche, jedenfalls schwarze Vögel – mindestens dreimal so groß wie ich, nisten und nun immer ganz flach über mich hinweg flogen und so laut krächzten. Puh! Und dann muss ich noch zugeben, dass mir khnemo über den einen oder anderen Geröllstein hinweg geholfen oder mich sogar getragen hat, denn sie waren teilweise viel größer als ich.
Nach einer tollen Kletterei über die Felsen und an kleinen Schneeresten vorbei kamen wir aber schließlich ganz oben auf dem Gipfel an. Oh, war das schön! Mit 1980m Höhe war ich auf einmal der am höchsten befindliche Maulwurf der Welt und wenn ich steil nach unten guckte und noch so gerade einige Häuser von Kamares sah, konnte ich gar nicht glauben, dass ich das geschafft hatte. Auf khnemos iPod habe ich mir dann »Cymbeline« von Loreena McKennitt ausgesucht und dann kreisten auch noch zwei Adler in der Thermik vor dem Hang, nahezu ohne mit den Flügeln zu schlagen. Das passte so schön zueinander, dass ich am liebsten mitgeflogen wäre.
»Stop, Rolfi«, hat khnemo da gerufen, »du kannst nicht fliegen. In solchen Momenten muss man sparsamen Gebrauch von der Natur machen.« Sehr ernüchternd! …hat offensichtlich gerade etwas von Brecht gelesen, der Typ. Doch ich finde es ganz toll von ihm, dass er mir so viel in der Natur zeigt und meinen Maulwurfsblick immer mehr erweitert. So sind wir einmal auch Truthähnen begegnet. Die kannte ich gar nicht und sie sahen sehr, sehr heffalumpig aus und glucksten so eigenartig. Selbst khnemo hatte wohl Respekt vor ihnen und meinte ganz verhalten, als wir vorsichtig an ihnen vorbeigingen: »Bei Truthähnen kann man nie wissen«.
Ach, schön war es dann immer am späten Nachmittag, wenn wir nach unseren Abenteuern auf unserer großen Terrasse saßen, unseren gemeinsamen Teller mit Toblerone-Dreiecken und Sesamkeksen auf den Tisch stellten, ganz glücklich zu unserem Berg hinüber sahen und dann voller Stolz sagten: »Da waren wir oben!« Jetzt kann ich khnemo verstehen, wie sehr er das braucht. Jedenfalls war er von nun an viel glücklicher.
Liebe Flippi, khnemo parkte, wie wir beide es ja schon oft beobachtet haben, das Auto in Kalamaki wieder stets unter dem kleinen Baum, schräg gegenüber von dem Eingang zu unserem Swimmingpool. Wenn ich dann zusammen mit ihm vom Strand zurück zum Auto ging, habe ich immer gedacht, wie schön es doch wäre, wenn Du plötzlich schräg über die Straße angehoppelt kämest. So sehr vermisse ich Dich.
Doch nun freue ich mich darauf, wieder einmal etwas von Dir zu hören und grüße Dich ganz herzlich, Dein Rolf Holunder
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